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Der Kopf hinter "Mein Morgenstern"

Willi Beck ist der Kopf hinter "Mein Morgenstern". Er hat aus einer Idee die deutschlandweite Wanderausstellung gemacht. (Bild vergrößern)
Bild zur Meldung: Willi Beck ist der Kopf hinter "Mein Morgenstern". Er hat aus einer Idee die deutschlandweite Wanderausstellung gemacht.

Wanderausstellung noch bis 3. Mai im Stadtmuseum

 

Handgemachte Buchkunst auf Tournee
 

Ein Buch mit Gedichten von Christian Morgenstern komplett von Hand gemacht – auf Hand geschöpftem Papier, von Hand gesetzt, gedruckt und gebunden: Willi Beck ist der Kopf hinter der Ausstellung. Er hat aus der Idee eine spannende Wanderausstellung gemacht, an der 60 Personen zwei Jahre lang gearbeitet haben. „Mein Morgenstern“ zeigt eindrucksvoll, was traditionelle Buchproduktion seit Jahrhunderten leistet, und wie wertvoll kreatives Handwerk inmitten unserer digitalen Zeit ist. Ein Gespräch mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins für die Schwarze Kunst über altes Handwerk, die Kunst der Organisation und was ihm an der Mainburger Ausstellung besonders gefällt

 

 

Herr Beck, wie ist die Idee zu „Mein Morgenstern“ entstanden? 

Willi Beck: Die Idee kam irgendwann 2021 im Kreise unserer Stipendiaten* auf. Anne König, die Schatzmeisterin unseres Vereins für die Schwarze Kunst, hat sie an mich weitergegeben. Diese Projekt-Idee habe ich dann bei unserer Mitgliederversammlung im Oktober 2021 vorgestellt und bis Januar 2022 zu einem konkreten Konzept für den Vereins-Vorstand ausgearbeitet. Die Reaktionen reichten von Erstaunen bis Skepsis. Am Ende dann grünes Licht mit einem „O.k., schauen wir mal“, auch wenn es dem einen oder anderen eine Nummer zu groß für den Verein erschien.

 

Sie konnten für die Ausstellung drei Mitveranstalter gewinnen: die Papiermühle Homburg, den Verein Meister der Einbandkunst und die Büchergilde Gutenberg. Wie war dort die Reaktion auf die Idee?

Willi Beck: Es waren viele Telefonate, die ich geführt habe, aber das Konzept „Zusammenarbeiten und zusammen arbeiten oder – wie entsteht ein Buch“ hat nicht nur die Kollegen der Papiermühle Homburg schnell begeistert. So konnte ich das Konzept immer weiter verfeinern und ergänzen - Heike Schnotale, Theresa Wedemeyer haben mich dabei unterstützt - und im Januar 2023 in der Nationalbibliothek in Leipzig bei der Mitgliederversammlung des Vereins Meister der Einbandkunst präsentieren. Es war der Beginn einer wunderbaren Zusammenarbeit. Ich erinnere mich noch gut, dass die Satzarbeiten gerade begonnen hatten, als zeitgleich die Zusage der Büchergilde Gutenberg kam, unsere „Morgenstern-Bücher“ als Exklusivpartner zu vertreiben. 

 

Und wie war dann tatsächlich der Weg von der Idee zur Umsetzung?

Willi Beck: Im Juli 2023 startete in der Papiermühle in Homburg am Main das Papierschöpfen. Die ersten 2.000 Bogen Büttenpapier waren gut gelungen, aber durch das Handschöpfen natürlich unterschiedlich dick. Für uns Drucker hieß das also, dass wir das Papier erst ausmessen und nach Grammgewichten sortieren mussten, bevor wir mit dem Druck der einzelnen Lagen beginnen konnten. Im April 2024 war es dann so weit: Alle sechs beteiligten Druckereien bekamen genaue Angaben über den Stand der Texte auf den Seiten – und es ging los: So entstanden 10.000 Drucke an Handabzugspressen. 

 

Sie haben die Ausstellung jetzt schon an mehreren Standorten in Deutschland gesehen. Was gefällt Ihnen hier in Mainburg besonders gut?

Willi Beck: In Mainburg macht Horst Pinsker den Unterschied. Er ist Kassenprüfer unseres Vereins für die Schwarze Kunst und ein begeisterter Schriftsetzer. Seine Werkstatt in der Gabelsbergerstraße in Mainburg ist ein Kleinod. Sie beherbergt eine Sammlung interessanter Schätze der Druckkunst, wie historische Druckpressen, Drucke und Werkzeuge. Zur Ausstellung ins Stadtmuseum hat Horst Pinsker spannende Raritäten mitgebracht: z.B. ein Replikat der Gutenberg-Bibel, ein Gebetbuch, das im Lichtdruck hergestellt wurde, einem seltenen Edeldruckverfahren, sowie das „Ilustrirte Buchbinderbuch“ aus dem Jahr 1868, ein Familienerbstück. Außerdem ist er mit einer so genannten Drucknudel vor Ort und demonstriert damit die Arbeit der Schwarzkünstler. Die Freude der Besucher ist groß, wenn sie einen Morgenstern-Druck mit ihrem eigenen Namen bekommen – eigenhändig von Horst Pinsker gedruckt. Oder von Inge Kirk, die ihn dabei unterstützt - eine der wenigen Personen, die mit dieser Technik noch vertraut sind. Das macht die Ausstellung hier einzigartig.

 

 

*Verein für die Schwarze Kunst

Der Verein für die Schwarze Kunst ist ein Netzwerk aus Druckern, Setzern und Gestaltern aus ganz Deutschland und Europa. Ihr gemeinsames Ziel ist es, handwerkliches Können und die traditionellen Berufe des Schriftgießers, Schriftsetzers und Buchdruckers zu bewahren und zu fördern. Um das Wissen auch an nachfolgende Generationen zu vermitteln, bietet der Verein Nachwuchskünstlern jährlich Walz-Stipendien an, bei denen sie die Möglichkeit haben, die alten Fertigkeiten in mindestens drei Werkstätten kennenzulernen.

 

Öffnungszeiten der Sonderausstellung „Mein Morgenstern“

Noch bis 3. Mai 2026 

immer sonntags 14-17 Uhr und mittwochs 9.30-13 Uhr,

Stadtmuseum Mainburg

Abensberger Straße 15

84048 Mainburg

 
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