Rund 200 Teilnehmer beim Informationsabend von Stadt Mainburg und Bauernverband
Landwirtschaft zu Überlegungen eines Rechenzentrums frühzeitig einbeziehen – Stadt behält Planungshoheit
Rund 200 Landwirtinnen und Landwirte informierten sich am Dienstag, 6. Oktober, in der Stadthalle Mainburg über die bisherigen Überlegungen zur Energieversorgung eines möglichen Rechenzentrums. Die Stadt Mainburg und der Bauernverband hatten gemeinsam eingeladen, um Flächenfragen zu besprechen, Sorgen der Betriebe aufzugreifen und Beteiligungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Erste Bürgermeisterin Karoline Fritz-Ertlmaier stellte klar: „Derzeit gibt es noch keine verbindlichen Verträge mit möglichen Investoren oder Betreibern.“ Interessierte Investoren seien vorhanden. Ob und welches Rechenzentrum in Mainburg entstehen könnte, sei jedoch noch offen. Zunächst werde an der Energieversorgung gearbeitet. „Ein Rechenzentrum steht und fällt mit einem verlässlichen Energiekonzept.“
250 Hektar Photovoltaik – bestehende Anlagen einbeziehen
Edgar Götz-Bachmeier vom Hallertauer Handelshaus erläuterte die benötigten Photovoltaikflächen als einen Baustein des ganzheitlichen Energiekonzepts, das gemeinsam mit einem Projektierer entwickelt wird. Nach seinen Angaben sollen im ersten Schritt Photovoltaikanlagen auf insgesamt rund 250 Hektar erschlossen werden. Etwa 70 Hektar sollen durch bestehende Anlagen abgedeckt werden, beispielsweise entlang der A93 bei Oberempfenbach. Für neue Anlagen verbleibe damit ein Flächenbedarf von rund 180 Hektar.
Diese Flächen seien zum Großteil bereits akquiriert und breit über die Region verteilt, unter anderem im Raum Aiglsbach, Niederlauterbach, Mainburg und Attenhofen. Landwirtschaftliche Betriebe und Flächeneigentümer könnten sich beteiligen und eigene Anlagen einbringen. Bestandteil des Konzepts sei ein privates Energienetz.
Der Sorge um den Verlust landwirtschaftlicher Pachtflächen begegnete Götz-Bachmeier mit der Aussage, dass keine Konkurrenz zur bestehenden landwirtschaftlichen Nutzung geschaffen werden solle. Verpächter von Hopfenflächen würden ausdrücklich nicht gezielt angesprochen. Interessierte Landwirte kämen meist eigenständig auf ihn zu. Photovoltaik allein könne eine verlässliche Energieversorgung nicht gewährleisten. Sobald die Photovoltaikplanung feststeht, soll das Energiekonzept vollständig ausgearbeitet werden. Als weitere Komponenten wurden die Erweiterung des Umspannwerks bei Unterempfenbach und Batteriespeicher angesprochen. Die genaue Ausgestaltung der zusätzlichen Energieversorgung ist Gegenstand der weiteren Planung.
Beteiligungsmöglichkeiten und Wertschöpfung vor Ort
Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Dr. Franz Gabelsberger erläuterte wirtschaftliche und steuerliche Fragen zu Energieinvestitionen, insbesondere im Zusammenhang mit Hofübergaben. Josef Wimmer berichtete über seine praktischen Erfahrungen mit Hopfen-Agri-Photovoltaik. Moderatorin Dr. Lena Käsbauer beleuchtete gemeinschaftliche und genossenschaftliche Beteiligungsmodelle. Entscheidend sei, wer von der Energieerzeugung profitiere und wie die Wertschöpfung im ländlichen Raum bleiben könne. Sie warb dafür, dass sich landwirtschaftliche Betriebe und Flächeneigentümer selbst organisieren und ihre Möglichkeiten aktiv gestalten. Der Bauernverband könne dabei unterstützen.
Erst Klarheit schaffen, dann entscheiden
Als möglicher Standortvorteil wurde beim Informationsabend die Anbindung Mainburgs an das überregionale Datennetz angesprochen. Diese sei neben einer verlässlichen Energieversorgung ein Gesichtspunkt für das Interesse potenzieller Investoren. Fritz-Ertlmaier betonte: „Wir machen keine voreiligen Schritte. Erst wenn wir genau wissen, was ein Investor plant, der notwendige Kapitalnachweis vorliegt und Leistung, Größe, Technologie, Ausbaustufen sowie Betrieb des möglichen Rechenzentrums geklärt sind, können wir im Stadtrat beraten, Chancen und Risiken abwägen und entscheiden. Vorher schaffen wir dafür kein neues Baurecht. Die Stadt Mainburg hat die kommunale Planungshoheit für ihr Stadtgebiet.
Gleichzeitig wolle sich Mainburg Chancen durch ein Rechenzentrum oder andere innovative Zukunftstechnologien nicht verschließen. Die Entwicklung digitaler Infrastruktur und neuer Technologien wird weitergehen. „Für uns stellt sich die Frage, ob wir diese Chancen aktiv mitgestalten und als Region profitieren wollen. Deshalb prüfen wir die Möglichkeiten offen und sorgfältig,“ so die Bürgermeisterin.
Ein auf Rechenzentren spezialisierter Berater sowie anwaltliche Unterstützung begleiten die Stadt fachlich und rechtlich.
Bevölkerung informieren und Vertrauen stärken
Fritz-Ertlmaier zeigte Verständnis für die Unsicherheit in der Bevölkerung. Durch das Streuen von Gerüchten sei in der Vergangenheit kommunikativ nicht alles optimal gelaufen. Umso wichtiger seien jetzt verständliche Informationen und ehrliche Antworten auf Fragen, die sich heute fundiert beantworten lassen. Die Bürgermeisterin sagte zu, Landwirte und Bevölkerung über belastbare neue Erkenntnisse zu informieren – gegebenenfalls bei weiteren Informationsveranstaltungen. Mainburg brauche neue wirtschaftliche Impulse, um seine finanzielle Grundlage zu stärken und Spielräume für wichtige Projekte in der Stadt und den Ortsteilen zu gewinnen. Zugleich müssten die Interessen der heimischen Landwirtschaft und des Hopfenanbaus berücksichtigt werden. Der Informationsabend schuf dafür eine erste gemeinsame Grundlage: mit Informationen zum bisherigen Planungsstand, Raum für Fragen und einem offenen Austausch.