Arten- und Biotopschutz auf Eh-da-Flächen im Landkreis Kelheim Naturschutzbehörden und VöF ziehen Fünfjahresbilanz
Bild zur Meldung: Vielfältiger Straßenrand bei Pullach UH Michaela Powolny
Das Volksbegehrens "Artenvielfalt - Rettet die Bienen" und das Engagement des Bund Naturschutzes waren mit ein Auslöser, warum vor gut fünf Jahren dieses Artenschutzprojekt gemeinsam mit dem Landkreis Kelheim, den Kommunen und dem Amt für Ländliche Entwicklung durch den Landschaftspflegeverband Kelheim VöF gestartet wurde.
"Hier wächst Wildnis: Eh-da-Flächen im Landkreis Kelheim", lautet der Titel des Projektes, bei dem es vorrangig darum geht, den Artenschutz auf ausgewählten Flächen tatsächlich zu praktizieren und dabei, wie es der Titel verrät, z.B. auch Wildkräuter, Gräsern oder Stauden Platz und Zeit zu geben. Aus Flächen, die "eh da" sind - wie Straßenränder, Wegränder, kommunale Böschungen oder Grünflächen - konnten in den vergangenen Jahren wertvolle, artenreiche Lebensräume entstehen. Sie dienen als "Trittsteine" zwischen größeren Biotopen und helfen, isolierte Lebensräume wieder miteinander zu verbinden. Die Fachleute sprechen von Biotopvernetzung. Gerade in einer intensiv genutzten Kulturlandschaft ist dieser Biotopverbund entscheidend, um Wildbienen, Schmetterlingen, Heuschrecken und anderen spezialisierten Arten langfristig passende Lebensräume zu sichern.
Fünf Jahre nach dem Start des Projekts haben sich Vertreterinnen und Vertreter der Höheren und Unteren Naturschutzbehörde mit dem Landschaftspflegeverband Kelheim getroffen, um die Effekte und den Nutzen für die Natur zu prüfen. Die Bilanz zeigte: mit etwas Geduld können aus vergessenen, ehemaligen Brachflächen durch gezielte Pflegemaßnahmen, Mähgutübertragungen oder Übertragung von Druschgut aus hochwertigen, artenreichen Wiesen dann neue höherwertige Flächen an anderer Stelle entstehen.
Im Gespräch wurde besonders die Rolle der Bauhöfe hervorgehoben: Einige Bauhöfe haben ihre Pflegepraktiken bereits angepasst und berücksichtigen bei der Mahd inzwischen verstärkt naturschutzfachliche Aspekte - ein wichtiger Schritt, der das Projekt in der praktischen Umsetzung erheblich unterstützt. Eine eigens veranstaltete Tagung diente dem Austausch und der Weiterbildung der Bauhofmitarbeitenden und anderer Fachleute, um das Praxiswissen für naturnahe Pflege weiter zu stärken. "Es ist schön zu sehen, wie durch gute Ideen und oftmals nur kleine Veränderungen in der Flächenpflege deutliche Verbesserungen in der Artenausstattung entstehen", so Biologin Michaela Powolny, Projektmanagerin beim VöF. Die fachliche Begleitung sorgte dafür, dass selbst kleine Flächen effektiv zum Artenschutz beitragen können - durch überlegte Terminwahl bei der Mahd, die Nutzung von heimischen Saatgut und die Schaffung geeigneter Strukturen für Wildbienen und andere Insekten.
Über 60 Flächen, verstreut über den gesamten Landkreis Kelheim haben sich als neue, wertvolle Kleinstrukturen für Flora und Fauna entwickelt. Neben den kommunalen Flächen betreut der VöF auch kirchliche Flächen. "Bei den kirchlichen Flächen sehen wir durchaus noch einiges an Potential, insbesondere auch deshalb, weil Ende Oktober die bayerischen Diözesen offizieller Partner des Bayerischen Umweltministeriums im Rahmen des Blühpakts Bayern geworden sind", so Klaus Amann, Geschäftsführer beim Landschaftspflegeverband. Eine wesentliche Erkenntnis aus der Startphase ist auch, dass man Geduld für die Entwicklung der Flächen mitbringen muss. Oftmals sind in den ersten zwei, drei Jahren kaum Verbesserungen erkennbar. Dann erst im vierten oder fünften Pflegejahr sieht man erste Erfolge und kann die Pflege optimieren.
Erfreulich werten die Naturschutzbehörden auch die Entwicklungen in der begleitenden Informations- und Bildungsarbeit in den schulischen und außerschulischen Bildungseinrichtungen. Über 700 Kinder und Jugendliche konnten im Rahmen von Führungen, Projektarbeiten und Unterrichtseinheiten mit Wissen über Wildbienen, Winterquartiere für Insekten, wichtige Nahrungsangebote und viele andere ökologische Zusammenhänge informiert werden, Wildbienenhotels oder Sandarien wurden angelegt. Auch die Nachfrage von Firmen, die sich für Nachhaltigkeit und Artenschutz ganz praktisch engagieren möchten steigt.
"Kinder, Jugendliche, ErzieherInnen, Lehrkräfte, BauhofmitarbeiterInnen, Kirchenstiftungen, engagierte Privatpersonen und Vereine, kleinere und mittlerweile auch große Firme zeigen Interesse, Artenschutz mit etwas fachlicher Unterstützung vor der Haustüre zu praktizieren - eine Entwicklung, mit der wir vor fünf Jahren nicht gerechnet haben, die uns aber um so mehr freut", so VöF-Vorsitzender Landrat Martin Neumeyer.
Trotz aller Erfolge wurde auch thematisiert, dass die derzeitige Finanzierungslage des Projekts herausfordernd ist. Fördermittel, die bislang die Umsetzung flankierender Maßnahmen sicherten, stehen momentan nicht mehr in dem Maße zur Verfügung, wie es für eine nachhaltige Fortführung wünschenswert wäre.
Das Projekt wird gefördert von der Regierung von Niederbayern, Höhere Naturschutzbehörde (Landschafts- und Naturparkrichtlinie), dem Landkreis Kelheim und den Kommunen, auch die Diözese Regensburg ist Partner des Pilotprojektes.